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7.1.2004 - Ein Bericht von Michael Orf
und Uwe Dreier
Steinkäuze
sind hessenweit in ihrem Bestand bedroht. In Kelkheim und Liederbach
leben noch einige Brutpaare dieser kleinen Eulenart. Zu ihrem Schutz
bemühen wir uns um den Erhalt der Streuobstwiesen und helfen
mit speziellen Nisthilfen. Außerdem beringen wir seit 20 Jahren
alle hier geborenen Jungvögel, um mehr zu erfahren über
ihren Lebensweg und ihre Todesursachen. Wir haben auch in diesem
Winter wieder die beringten Vögel kontrolliert und dabei einige
alte Bekannte getroffen.
In
Kelkheim und Liederbach waren im Herbst/Winter mindestens 8 oder
9 Reviere besetzt. Dabei kann man natürlich nie ausschließen,
dass zum Kontrolltermin eben mal keiner der Vögel in der Röhre
gesessen hat. Die Zahl der tatsächlich besetzten Reviere ist
also vermutlich etwas höher.
Kelkheim
Insgesamt haben wir in der Kelkheimer Gemarkung 4 Brutplätze
besetzt gefunden, drei mal saßen einzelne Steinkäuze
und einmal ein Pärchen in der Nisthilfe.
Vagabundin
zwischen Kelkheim und Bad Soden
Im Schmiehbachtal war leider nur das Revier am Speierling besetzt,
das dafür mit zwei Vögeln. Das eine Tiere wurde im Januar
2000 in einem anderen Revier im Schmiehbachtal (Brunnengrundstück)
während meiner Diplomarbeit beringt. Die Brut damals ist leider
gescheitert. Vielleicht hat das Weibchen deshalb das Gebiet gewechselt
und wurde in 2001 hudernd auf drei Jungen auf der Bad Sodener Seite
der B8 wiedergefunden. Nun hat sie sich also wieder für die
Kelkheimer Seite entschieden. Ihr Partner war ein unberingtes Tier.
Steinmarder
statt Steinkauz
In der Streuobstwiese in der Aue des Schmiehbachtals mussten wir
leider wieder einen Steinmarder in hohem Bogen aus der Röhre
werfen. Vermutlich seinetwegen waren keine Käuze in diesen
sonst sicheren Revier anwesend, aber immerhin haben wir keine abgebissenen
Federn gefunden, so dass wir auf die Brutzeit hoffen.
Jungvogel
im direkten Umfeld angesiedelt
Im Schlemmer (südl. Hauptfriedhof) war das traditionelle Revier
auf der Pferdeweide leider verwaist. Im neuen Revier nahe der Niederhofheimer
Straße saß ein Steinkauz, der 2003 als Jungvogel im
Schmiehbachtal (Aue) beringt wurde.
Erfolg
in den Krautgärten
Nahe den Kleingärten An den Krautgärten in Münster
hat sich endlich die neue Röhre rentiert. Auf der Liederbacher
Seite der B519 wurde letzten Winter eine kleine Obstreihe mit einer
besetzten Röhre gerodet und die Krautgärtenröhre
war als Ersatz gedacht. Während meiner Telemetriearbeit jagte
der besenderte Kauz dieser Obstreihe jede Nacht auf einer Wiese
vor den Krautgärten, auf der wir deshalb die Ersatzröhre
aufgehängt haben. Hier fand sich nun endlich ein unberingter
Kauz, der hier hoffentlich auch brütet.
Zuzug
aus Liederbach
Am Tierheim am Zeilsheimer Weg südlich Münster saß
ein Kauz in der Nisthilfe, der im Juni 2002 in Liederbach östlich
des Neubaugebiets Im Kohlruß als Jungvogel beringt wurde.
300m entfernt in Richtung Golfplatz fand sich ein weiterer Kauz
(unberingt) in einer Röhre, von dem nicht klar ist, ob er zum
Revier Tierheim gehört.
Liederbach
In
Liederbach fanden sich viele unberingte Vögel, die darauf hindeuten,
dass immer noch einige Käuze außerhalb unserer Nisthilfen
brüten.
In
Liederbachs Grüner Mitte war das traditionelle Revier in einem
Kleingarten (Pferdekoppel) von einem unberingten Kauz besetzt.
Auch östlich von Liederbach (Kohlruß) fand sich ein unberingter
Vogel.
Ein
Steinkauz aus dem Süden des MTK
Südwestlich der Bahn (auf Höhe des ALDI) fand Uwe Dreier
den einzigen Vogel, der nicht von uns beringt wurde. Wahrscheinlich
handelt es sich um einen Kauz aus dem Süden des MTK von Helmut
Köhler. Die Ringnummer ähnelt unseren sehr stark.
Rekordhalter
am Liederbacher Wäldchen
Auf dem Gelände der Jagdhütte im Feld südlich von
Liederbach fand sich der mit sechs Jahren dienstälteste Steinkauz,
der Juni 1997 in Liederbachs Grüner Mitte als Jungvogel beringt
wurde. Seit 2001 ist er jährlich im Revier der Jagdhütte
angetroffen worden. (Mal sehen, ob er unseren Rekordhalter übertreffen
wird: ein Weibchen an der Bahn in Liederbach wurde immerhin acht
Jahre alt.)
Standorttreu
trotz "Menschenkontakt"
Der Vogel mit der meisten "Menschenerfahrung" wurde von
Uwe nun schon das 11. Mal auf einer Streuobstwiese am Wäldchen
im Liederbacher Feld in die Hand genommen. Das Weibchen ist 1999
während der Brutzeit beringt worden und mit Ausnahme eines
kleinen Ausflugs im Winter 2000 (zum Tierheim in Kelkheim) immer
im selben Revier angetroffen worden.
Fazit
Die Beringung bringt immer wieder erstaunliche Ergebnisse. Bei der
Gelegenheit: den weitesten Wanderer erwischten wir vor drei Jahren
im Feld zwischen Liederbach und Hofheim mit einem Ring der Vogelwarte
Radolfzell: Herkunft Mannheim.
Es waren dieses Mal vier unberingte Vögel dabei, bei insgesamt
11 Tieren eine höhere Anzahl als in den letzten Jahren (=36%).
Es spricht einiges dafür, dass uns doch einige Bruten in Naturhöhlen
durch die Lappen gehen, da die von uns kontrollierten Jungvögel
ja alle beringt werden.
Der Anstieg der Bruten ist in den letzten drei Jahren etwas stagniert,
bleibt aber auf hohem Niveau. Ohne die künstlichen Nisthilfen
würde es für die Käuze allerdings viel schlechter
aussehen. Gerade in den südlichen Ackergebieten gibt es kaum
Naturhöhlen auf den wenigen verbleibenden Obstbaumreihen. Da
diese zudem meist wenig gepflegt werden und überaltert sind,
wird die Zukunft der Steinkäuze wohl eher in den Gebieten mit
höherem Streuobstanteil liegen.
Mehr
zur Steinkauzforschung finden Sie hier..
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